Musikalische Reise durch den Osten, Sächsische Zeitung 20.10.2008

Von Jost Schmidtchen

Zu einem kulturellen Höhepunkt von überragender Bedeutung für die Stadt Hoyerswerda gestaltete sich die Adaption der Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ am Freitag in der ausverkauften Lausitzhalle. Entstanden war das Projekt im Schulförderverein des Lessinggymnasiums, die Idee dazu hatte Vereinsmitglied Ralf Kiefel bereits 2004 ins Gespräch gebracht mit dem Ziel, die musische Ausbildung zu vertiefen.

Große Herausforderung

Der Umsetzung bedurfte es allerdings doch einiger Zeit. Schließlich gelang es Ralf Kiefel, neben den beiden Chören des Lessinggymnasiums weitere zehn Chöre aus Hoyerswerda und Umgebung für das aufwendige Projekt zu begeistern. Im Herbst 2007 begannen die Proben unter der Leitung der Musikpädagogin Kerstin Lieder. Monatlich einmal trafen sich die rund 100 Chorsängerinnen und -sänger, um gemeinsam zu üben. Mit viel Disziplin und Liebe zur Sache gelang die ungewöhnliche, anspruchsvolle Herausforderung. Die Besucher in der Lausitzhalle erwartete zunächst eine musikalische Reise durch die 1970er und 1980er Jahre des Ostrocks, „als gute Rockmusik noch mit deutschen Texten erklang, in denen sich die Träume, Wünsche und Hoffnungen der Menschen ebenso widerspiegelten wie die Erfahrungen, die das Leben mit sich brachte“, sagte Moderator Detlef Heuke. Auf diese musikalische Reise hatte sich der Kinderchor des Lessinggymnasiums vorbereitet. 75 Kinder der Klassen 6, 7 und 8 sangen Lieder von Berluc, Keimzeit, Neumis Rockzirkus, Veronika Fischer und Thomas Natschinski. Die musikalische Begleitung des Abends hatten Schüler und ehemalige Schüler des Lessinggymnasiums übernommen. Nach den Kinderchören lenkte Detlef Heuke die Aufmerksamkeit auf Kurt Demmler, der als der erfolgreichste Rockkomponist und Texter der DDR gilt und für viele Gruppen und Künstler schrieb. 1971 veröffentlichte er seine erste LP. „Die Sichtweisen von Kurt Demmler halten ein ganzes Leben, er erhielt dafür sogar den Nationalpreis der DDR“, erzählte Detlef Heuke.

Aus Demmlers CD „Kerzenlieder“ sangen Franziska Kiefel, Romy Steinbach, Thomas Brand und Max Proksch die Titel „Prinzen“, „Land der Tränen“ und „Mein Lied“.

Nach zwei Titeln der Gruppe „Electra“, dargeboten von der Formation „Dreiklang“ des Lessinggymnasiums, folgte noch eine Filmeinspielung aus dem Meißner Dom, unterlegt mit dem Electra-Original „Tritt ein in den Dom“.

Kulisse aus Burghammer

Dann kam der spannendste Teil des Abends, als die 100 Chorsängerinnen und Chorsänger die Bühne betraten und hinter dem sich hebenden Vorhang ein atemberaubendes Bühnenbild sichtbar wurde, das die Sixtinische Madonna hoch oben im Himmel zeigte. Angefertigt wurde es von Aleksander Koryzna aus Burghammer mit seinen fleißigen Helfern. Spätestens hier zeigte sich, welcher Gemeinsinn die Region bei diesem Projekt einte.

Die im Jahr 1512 von Raffael gemalte „Sixtinische Madonna“, die nur zwei Besitzer hatte, ist in der Dresdener Galerie Alte Meister zu sehen und kam 1979 als Rocksuite mit dem Text von Kurt Demmler und der Musik von Bernd Aust mit der Gruppe Electra zur Aufführung. Welche Emotionen würde sie nun in der Lausitzhalle wecken, fast 30 Jahre später?

Es waren die gleichen Emotionen, nachdem die drei Sätze der Rocksuite „Der Maler“, „Das Bild“ und „Der Betrachter“ verklungen waren. Eine Meisterleistung hatten die Chöre und der Dresdner Tenor Jens-Uwe Mürner geboten.

Der Beifall, der auch den Musikern galt, nahm kein Ende, so dass der dritte Satz wiederholt werden musste. Zutiefst angetan von diesem kulturellen Glanzereignis zeigten sich auch die Ehrengäste, unter ihnen auch Mitglieder von Electra.

 

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