Electra elektrisiert Publikum Glauchau

von Andreas Wohland

Die DDR-Kultband stand am Freitagabend auf der Bühne des Glauchauer Stadttheaters. Glanzpunkt war die Rocksuite „Die sixtinische Madonna“.

Glauchau – Es gibt einige ostdeutsche Kultbands, aber keine verfügt musikalisch über eine derart markante Handschrift wie die Dresdener Gruppe Electra. Davon konnten sich am Freitagabend die Besucher im fast bis auf den letzten Platz ausverkauften Glauchauer Theater selbst ein Bild machen.

Stilistisch zwischen progressivem Rock und der Adaption klassischer Musik angesiedelt, ließen die Band keinen Zweifel aufkommen, dass die Electra-Musiker in Sachen Instrumentenbeherrschung nach wie vor zu den absoluten Perfektionisten gehören. So zeigte sich auch Bernd Aust, Gründungsmitglied und charismatischer Querflötist der Gruppe, von seiner besten Seite. Mit ungebremster Kreativität interpretierte er Johann Sebastian Bach Bourrée – ein Muss in jedem Electra-Konzert. Zugleich überraschten Aust und Co. die Zuhörer immer wieder mit gewagten wie gekonnten Übergängen zwischen Klassik und Rock. Beispielsweise durch unvermittelte Einarbeitung von Sequenzen aus den Hits von Jethro Tull „Aqualung“ oder „Locomotive Breath“.

Musik wie aus einem Guss

Electra bot seinen Zuhörern Musik aus einem Guss in einem perfekt inszenieren Zusammenspiel. Jedes Bandmitglied konnte seine künstlerische Klasse unter Beweis stellen. Das Gitarrensolo, bei dem Eckhard Lipske wuchtig bis gefühlvoll in die Saiten griff, dürfte so manchem aus dem Publikum unter die Haut gegangen sein. Bei altbekannten Electra-Titeln wie „Einmal ich, einmal Du“, „Tritt ein in den Dom“ oder „Nie zuvor“ stimmten die Zuhörer sogar mit ein und erhoben sich noch während des Konzertes von den Plätzen, um zu applaudieren.

Ein bewunderndes Raunen ging durch den Saal, als Stephan Trepte die Bühne betrat. Er sang Anfang der 1970er-Jahre eine Zeitlang bei der Gruppe. Bei seinem Auftritt am Freitagabend ließ er noch einmal ahnen, dass er ganz oben in der Galerie der Ostrocksänger steht. Absoluter Höhepunkt der Veranstaltung stellte die Aufführung der Rocksuite „Die sixtinische Madonna“ dar. Unterstützung erhielten die Mannen um Bernd Aust dabei vom Großen Chor Hoyerswerda sowie dem Tenor Jens-Uwe Mürner. In dieser Besetzung war das musikalische Kunstwerk erst das fünfte Mal zu hören.

Veronika Möller sprach wohl für viele Besucher, als sie am Ende des Konzertes die Leistungen der Musiker in höchsten Tönen lobte. „Die Musiker haben ,Die Sixtinische Madonna’ gespielt, als würden sie das jeden Tag tun. Und das alles aus dem Kopf , Wahnsinn. Und der Chor: einfach klasse.“ Auch für Tobias Mädler war der Abend ein unvergessliches Musikerlebnis. „Ich arbeite auf Montage. Da ich die alten Barden von Electra unbedingt einmal live hören wollte, habe ich extra einen Tag Urlaub genommen. Das war es mir auf alle Fälle wert.“

Bei der Aufführung der Rocksuite „Die sixtinische Madonna“ erhielt Electra Unterstützung durch den großen Chor Hoyerswerda und Tenor Jens-Uwe Mürner.

Die Darbietungen von Gitarrist Eckhard Lipske und Electra-Mitbegründer Bernd Aust gehörten zu den beeindruckendsten Leistungen des Konzertes

 

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